Das Wort „Defizit“ müsste das liebste Wort des Projektentwicklers sein. Wo es ein Defizit gibt, ist die Konkurrenz gering und der Gewinn hoch. Und die Arbeit auf einem jungen Markt bedeutet vor allem eins – Kreativität!
In Moskau herrscht wieder ein Defizit. Diesmal geht es um Logistik- und Lagerimmobilien. Darüber hat vor kurzem die wichtigste russische Wirtschaftszeitung Vedomosti berichtet. Alles, was 2013 gebaut und eröffnet wird, ist bereits im Voraus vertraglich verkauft oder vermietet. Gleichzeitig erlebt der Hauptnutzer der Lager, der Handelssektor, derzeit ein stürmisches Wachstum. Und dieses Wachstum wird anhalten. In erster Linie hängt dies mit dem starken Rückstand zusammen, in dem sich Russlands Hauptstadt im Vergleich zu den mittleren Kennwerten in Europa befindet, welche das Vorhandensein von Immobilien für den Handel ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen. Aber auch die Handelszentren in Moskau, die gebaut werden sollen, können den Bedarf der Millionenstadt an Handelsimmobilien in der nächsten Zeit nicht decken. Das bedeutet, dass ständig dringend qualitativ hochwertige Logistikkomplexe benötigt werden. Außerdem kommt immer mehr die Strategie Built to Suit zur Anwendung – es werden Lager in der Größenordnung von 10.000 Quadratmetern für konkrete Kunden gebaut. Zurzeit beträgt die Miete in Moskauer Lagern circa 105 Euro pro Quadratmeter im Jahr. Dabei erreichen nur wenige Lagerzentren den europäischen Qualitätsstandard, und viele, die sich „Klasse A“ nennen, erfüllen die entsprechenden Kriterien nicht. Eigentlich denkt niemand über Markenführung und Positionierung am Markt nach – warum auch, wenn der Markt augenblicklich jedes Objekt schluckt, was nur irgendwie ein Konzept erkennen lässt. Natürlich wird mit der Zeit auch die Konkurrenz wachsen und hochwertige Lösungen aus Planung, Infrastruktur und Ingenieurdienstleistungen werden sich zu einer Marke zusammenfügen, die einen Wettbewerbsvorteil hat. Jetzt gibt es aber zu wenig Firmen auf dem Markt, die Logistik-Dienstleistungen vom Westen nach Russland bringen können. Ja, ausländische Investoren (meist Fonds) legen in russische Logistik- und Lagerimmobilien an, aber darunter gibt es nur wenige Projektentwickler: GHELAMCO, MLP, Radius Group, Raven Russia.
Dabei braucht der russische Markt für Lagerimmobilien einen Ausweg auf ein neues Niveau, welches die Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum im Sektor bilden kann. Westliche Firmen haben große Chancen.